Das Tafelvergnügen gehört jedem Alter, jedem Stande, allen Ländern und Zeiten. (Jean Anthelme Brillat-Savarin)

Essensrituale im Zeitalter der Sharing Economy

Die Ernährung gehört zu jenen täglichen Aufgaben, denen sich niemand entziehen kann, da sie eine wichtige Rolle zur Sicherung unseres Überlebens spielt. Paradoxerweise könnten wir alle lebenswichtigen Substanzen in Form von Tabletten zu uns nehmen, tun dies aber nicht. Warum? Alle Tiere haben einen Ernährungsinstinkt, aber der Mensch zelebriert das Essen als Kunst. Die Art, wie wir Lebensmittel zu uns nehmen, ist eines der Symbole der Menschheit, die uns vom Rest der Tierwelt unterscheiden.

Essen als soziales Ritual
Der Moment, in dem man sich zum Essen um einen Tisch versammelt, ist seit jeher in jeder Epoche und überall auf der Welt ein Synonym des Teilens. Es ist ein Moment, zu dem sich die Familien vereinen, um über ihren Tag zu sprechen, und Freunde sich treffen, um sich auszutauschen, sich auf dem Laufenden zu halten oder wichtige Neuigkeiten zu verkünden. In der Vergangenheit schlossen die Könige in diesem Rahmen Bündnisse, während die Geschäftsleute von heute beim Essen Kontakte knüpfen und Geschäfte abschließen. Wenn man das Essen teilt, wird es zu einem Ausdruck von Altruismus, Freundschaft und Solidarität, ein Gruppenevent, das zum Zentrum einer symbolischen Aktivität für den Gemeinschaftssinn und unseren Platz in der Gesellschaft wird.

Social Eating, ein neues Sharing-Ritual
Mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke und der Ausbreitung der Sharing Economy, jenem neuen wirtschaftlichen Ansatz, der sich auf neue und bewusstere gemeinsame Konsumformen stützt, erleben wir nun die Entwicklung eines neuen Sharing-Rituals: Social Eating oder Social Dining.

Wie funktioniert Social Eating?
Aus dem Trend der Secret Restaurants, bei denen einige Personen bei ihnen zu Hause ein Abendessen auch für Fremde organisierten, entstand schließlich das Social Eating. Dabei werden über das Internet fremde Gäste zu Hause eingeladen und bekocht. Der Hausherr preist auf einer der eigens fürs Social Eating eingerichteten Webseiten sein Menü an und beschreibt die einzelnen Gerichte, das Ambiente und die vorgesehenen Kosten als Entschädigung. Die User surfen auf der Webseite und sind auf der Suche nach etwas, das ihren Wünschen gerecht wird und ihnen das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Einige wenige und einfache Regeln
Wenn nicht explizit vorgegeben, muss man normalerweise keine präzisen Regeln beachten; es genügt ein gesunder Menschenverstand: pünktlich sein, sich den anderen Tischgästen gegenüber tolerant verhalten, nicht erwarten, wie im Restaurant zuvorkommend bedient zu werden und vor allem die Lust auf Teilen und neue Bekanntschaften. Die einzige Ausnahme gibt es bei den Getränken. Es ist üblich, dass die Gäste ihren Wein selbst mitbringen.

parmaschinken_aperitif

Beim Social Eating handelt es sich somit um eine neue Art, Essen miteinander zu teilen, neue Leute kennenzulernen, das eigene Netz an Bekanntschaften auszuweiten oder einfach nur Kontakte zu knüpfen, und zwar am besten mit einem Teller Parmaschinken und natürlich einem guten Glas Wein. Kurzum ändert sich alles, aber im Grunde genommen bleibt doch alles gleich.